Es ist ein Geruch, den man sofort erkennt, aber kaum beschreiben kann, ohne dass man lachen muss: Schuhe, die nach Käse riechen. Nach altem Camembert, nach Parmesan, manchmal auch nach etwas, das man eher in einem Käsekeller vermutet als im eigenen Flur. Wer das kennt, fragt sich unwillkürlich, was da eigentlich los ist.
Die Antwort ist unerwarteter, als man denkt – und sie hat tatsächlich etwas mit Käse zu tun. Nicht im übertragenen Sinne, sondern chemisch.
Isovaleriansäure – der gemeinsame Nenner
Bestimmte Bakterien, die natürlich auf der Haut vorkommen – insbesondere Staphylokokken und einige Brevibacterium-Arten – zersetzen beim Abbau von Schweiß und Hautschuppen unter anderem die Aminosäure Leucin. Dabei entsteht Isovaleriansäure. Diese Verbindung ist auch an der Entstehung des typischen Aromas vieler Käsesorten beteiligt, besonders bei Rotschmierkäse und reifem Hartkäse.
Das bedeutet: Der Käsegeruch in Schuhen und der Geruch mancher Käsesorten haben dieselbe chemische Ursache. Dieselbe Verbindung, erzeugt von ähnlichen oder sogar denselben Bakteriengattungen.
Das erklärt, warum der Geruch so unverwechselbar ist und sich von anderen Schuhgerüchen unterscheidet. Er ist nicht intensiver oder schlechter – er ist spezifischer.
Warum manche Füße stärker nach Käse riechen
Die Bakterienpopulation auf der Haut ist individuell verschieden. Wer eine Mikroflora hat, in der Brevibacterium- oder bestimmte Staphylokokken-Stämme besonders aktiv sind, produziert mehr Isovaleriansäure – und damit einen ausgeprägteren Käsegeruch.
Das hat nichts mit Hygiene zu tun. Man kann jeden Tag duschen und trotzdem eine Bakterienpopulation haben, die diesen spezifischen Geruch produziert. Es ist schlicht eine Frage der individuellen Hautbiologie.
Der Schuh verstärkt das Ganze: Wärme, Feuchtigkeit und die geschlossene Umgebung begünstigen die Bakterienaktivität und konzentrieren die entstehenden Duftstoffe – so wird aus einem schwachen Hintergrundgeruch schnell etwas Auffälliges.
Was gegen den Käsegeruch hilft
Die gute Nachricht: Die Behandlung unterscheidet sich nicht grundlegend von anderen Schuhgerüchen. Essigwasser (1:1) ins Innere gesprüht und vollständig trocknen lassen – Essig wirkt antibakteriell und reduziert die Bakterienpopulation, die die Isovaleriansäure produziert. Nach dem Trocknen Natron einstreuen, über Nacht einwirken lassen.
Der Käsegeruch ist hartnäckiger als viele andere Gerüche, weil Isovaleriansäure sich gut an organische Materialien – Schaumstoff, Textil, Leder – bindet und nicht so leicht durch bloßes Trocknen entweicht. Zwei bis drei Behandlungsrunden sind oft nötig.
Die Einlegesohle sollte ersetzt werden – sie ist die Geruchsquelle Nummer eins, und bei käseartigem Geruch ist sie in der Regel so durchdrungen, dass eine Behandlung nicht mehr ausreicht.
Für weiterführende Methoden lohnt sich der Blick in den Überblick über Schuhgeruch entfernen – dort sind alle wirksamen Ansätze zusammengefasst, von Natron über Essig bis zum Gefrierfach.
