Man kauft neue Schuhe, öffnet die Schachtel – und bekommt sofort einen stechenden, chemischen Geruch in die Nase. Oder man hat ein Paar Schuhe, das seit Wochen getragen wird, aber immer noch nach Kunststoff, Klebstoff oder irgendwas Scharfem riecht, das man nicht genau benennen kann. Das ist ein anderes Problem als normaler Schweißgeruch, und es braucht eine andere Erklärung.
Woher der chemische Geruch kommt
Neue Schuhe – insbesondere günstigere Modelle aus Massenproduktion – bestehen aus einer Vielzahl von synthetischen Materialien: PU-Kunstleder, PVC-Beschichtungen, synthetisches Textilgewebe, verschiedene Klebstoffe für Sohle und Futter. All diese Materialien können flüchtige organische Verbindungen abgeben, kurz VOCs (volatile organic compounds). Beim Öffnen der Schachtel – oft nach Wochen oder Monaten in luftdichter Verpackung – wird diese angesammelte Gasmischung auf einmal freigesetzt.
Das ist der typische Geruch neuer Schuhe: ein Mix aus Lösungsmitteln, Klebstoffdämpfen, Weichmachern und Kunststoffemissionen. In der Regel flüchtig – das heißt, er verdunstet mit der Zeit.
Warum der Geruch manchmal nicht nachlässt
Bei manchen Schuhen hält der chemische Geruch länger an als erwartet. Das passiert besonders bei Modellen mit dicken Klebstoffschichten, Innenverkleidungen aus stark behandeltem Kunstleder oder Sohlen aus billigem Recycling-Gummi. Die Emissionsrate dieser Verbindungen kann sich über Wochen hinziehen, besonders wenn der Schuh immer wieder in einer Schachtel oder einem geschlossenen Schrank landet.
Ein weiterer Faktor: Körperwärme beim Tragen beschleunigt die Ausgasung. Wer einen solchen Schuh anzieht, heizt ihn auf – und der Geruch wird intensiver. Das führt manchmal zum Eindruck, dass der Geruch mit dem Tragen schlimmer wird, nicht besser.
Was hilft
Auslüften ist der erste und wichtigste Schritt. Den Schuh aus der Verpackung nehmen und an einem gut belüfteten, möglichst hellen Ort stehen lassen – mehrere Tage, wenn nötig auch eine Woche. Frischluft und Licht beschleunigen die Verdunstung der flüchtigen Verbindungen deutlich. In einem geschlossenen Zimmer stehen lassen hilft kaum.
Aktivkohle adsorbiert flüchtige organische Verbindungen sehr effektiv. Eine Aktivkohle-Einlegesohle in den Schuh einzulegen – oder einen kleinen Aktivkohlbeutel in die Schachtel zu legen, wenn der Schuh nicht getragen wird – reduziert die Geruchskonzentration im Inneren merklich.
Natron hilft begrenzt, da es vor allem für saure Geruchsmoleküle aus Bakterienprozessen ausgelegt ist. Bei rein chemischen VOC-Gerüchen ist Aktivkohle die wirksamere Wahl.
Was man nicht tun sollte
Den Schuh parfümieren oder mit Schuhspray überdecken – das schichtet Gerüche nur übereinander und löst das Problem nicht. Auch das Einweichen in Wasser oder aggressive Reinigungsmittel hilft nicht und kann das Obermaterial beschädigen.
Wann der Geruch ein Zeichen für etwas anderes ist
Wenn ein Schuh, der schon mehrere Monate getragen wird, weiterhin stark chemisch riecht – nicht modrig oder nach Schweiß, sondern wirklich nach Chemie – kann das ein Hinweis auf minderwertige Materialien sein, die dauerhaft ausgasen. Das ist kein häufiges Problem, aber es gibt günstige Schuhe, bei denen sich die Emissionen über die gesamte Nutzungsdauer halten.
In solchen Fällen ist Auslüften zwar hilfreich, löst aber das grundlegende Materialproblem nicht. Wer auf häufig wiederkehrenden chemischen Schuhgeruch stößt, sollte beim nächsten Kauf auf Schuhe mit Lederfutter oder zertifizierten Materialien achten – dort ist die Emissionsbelastung in der Regel deutlich geringer.
Für den Fall, dass der Geruch mit der Zeit in normalen Schuhgeruch übergeht, hilft der Überblick über Schuhgeruch entfernen weiter.
