Gebrauchte Schuhe stinken – so reinigt und desinfiziert man sie von innen

Second-Hand-Schuhe haben einen klaren Vorteil: Sie sind günstig, manchmal sogar hochwertig und kaum getragen. Aber sie bringen auch etwas mit, das man nicht sieht – die Bakterienpopulation des Vorbesitzers. Das klingt drastisch, ist aber einfach die Realität: Jeder Mensch hat eine eigene Mikroflora auf der Haut und in seinen Schuhen. Gebrauchte Schuhe riechen deshalb oft anders als eigene Schuhe, manchmal intensiver, manchmal einfach fremd.

Das ist kein Grund, auf Second-Hand-Schuhe zu verzichten. Es ist ein Grund, sie vor dem ersten Tragen richtig zu behandeln.

Was im Inneren gebrauchter Schuhe steckt

Die Einlegesohle ist die offensichtlichste Quelle. Sie hat über Monate oder Jahre den Schweiß, die Hautschuppen und die organischen Rückstände des Vorbesitzers aufgenommen. Selbst wenn ein Schuh äußerlich sauber wirkt, trägt die Einlegesohle eine Geschichte.

Das Innenfutter des Schuhs – das Textil oder Leder, das den Fuß berührt – ist die zweite Quelle. Bakterien setzen sich hier fest und lassen sich durch einfaches Auslüften nicht entfernen.

Schritt 1: Einlegesohle sofort ersetzen

Bei gebrauchten Schuhen gibt es keinen sinnvollen Grund, die originale Einlegesohle zu behalten. Sie herausnehmen, entsorgen, und durch eine neue ersetzen. Das ist der einfachste und wirksamste erste Schritt – und kostet wenig. Eine einfache Einlegesohle aus dem Drogeriemarkt reicht. Wer mehr möchte, nimmt eine mit Aktivkohle.

Schritt 2: Das Innere desinfizieren

Für das Innenfutter und die Schuhwände gibt es zwei gute Optionen.

Essigwasser: Weißen Haushaltsessig mit Wasser im Verhältnis 1:1 mischen, in eine Sprühflasche füllen und das Innere des Schuhs gleichmäßig einsprühen. Nicht tropfnass, aber gut benetzt. Dann vollständig trocknen lassen – mindestens 12 bis 24 Stunden, an einem belüfteten Ort. Der Essiggeruch verfliegt beim Trocknen vollständig.

Isopropylalkohol: Reinigungsalkohol (70%) auf ein Tuch geben und das Innere des Schuhs gründlich auswischen. Alkohol trocknet schnell, wirkt stark antibakteriell und hinterlässt keinen Geruch. Besonders geeignet bei Lederfutter, da es das Material weniger belastet als Essig.

Bei beiden Methoden: Nach dem Trocknen den Vorgang einmal wiederholen. Ein einmaliger Durchgang reicht bei gebrauchten Schuhen oft nicht aus.

Schritt 3: Natron über Nacht

Nach der Desinfektion und vollständigem Trocknen: Natron in den Schuh streuen und über Nacht einwirken lassen. Das bindet Restfeuchtigkeit und neutralisiert verbleibende Gerüche. Am nächsten Morgen ausschütteln und ausbürsten.

Was bei Lederschuhen zu beachten ist

Gebrauchte Lederschuhe benötigen nach der Innenreinigung auch eine Außenpflege. Das Oberleder wurde möglicherweise jahrelang nicht gepflegt und ist trocken oder rissig. Ein gutes Lederpflegemittel nach der Reinigung aufgetragen hält das Material geschmeidig und verhindert, dass es weiter austrocknet.

Essig bei Lederschuhen immer stärker verdünnen – 1 Teil Essig auf 3 Teile Wasser – und nie direkt auf das Oberleder sprühen, nur auf das Innenfutter. Mehr zu materialgerechter Reinigung im Artikel über Lederschuhe und Geruchsentfernung.

Was man noch tun kann

Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt den frisch behandelten Schuh nach dem Trocknen für einige Stunden ins Gefrierfach – in einem Plastikbeutel verschlossen. Kälte tötet weitere Bakterien ab, die die chemische Behandlung möglicherweise nicht vollständig erreicht hat. Danach langsam bei Zimmertemperatur auftauen lassen.

Das klingt aufwendig für einen gebrauchten Schuh. Aber wer einmal erlebt hat, wie gut ein behandelter Second-Hand-Schuh danach riecht – wie neu, ohne jede Spur des Vorbesitzers – weiß, dass sich der Aufwand lohnt. Weitere Methoden zur gründlichen Desinfektion beschreibt der Artikel über Schuhe desinfizieren.